Auf nach Albanien 🇦🇱

Über Albanien und Albaner wird vieles gesagt und mit einer großen Portion von falschen Vorurteilen ging es daher von Montenegro in den Bergen über die Grenze in das “wilde”, “unsichere” und “barbarische” Albanien!

Nachdem der Grenzer am Grenzübergang bei Gusinje unsere Daten handschriftlich in ein Buch eingetragen hatte, wurden wir freundlich durch die Schranke gelassen. Nach 500 Metern wurde aus der Straße mit vielen Schlaglöchern dann auch direkt ein Schotterweg, den man nur in Schlangenlinien um die Schlaglöcher herum mit Schrittgeschwindigkeit befahren konnte. Die Brücken die folgten sahen ebenfalls nicht besonders vertrauenswürdig aus…

Unsere Befürchtung, dass die Route durch die Berge genau so bleiben würde war aber unberechtigt und nach 2 Kilometern wurde aus der Schotterpiste eine nagelneue Landstraße durch die unglaubliche Landschaft.

Leider konnten wir die Fahrt nicht in vollem Zügen genießen, da unser Auto nach der Hälfte der Strecke mit blauen Rauchschwaden hinter uns und einem lauten Klappern aus dem Motorraum rumgemeckert hat. Nachdem provisorisch die Wirbelklappen ausgeschaltet wurden, ging es dann mit halber Leistung aber ohne blauen Rauch aus dem Auspuff weiter. Bei der ganzen Aktion wurden wir zum ersten Mal von der Herzlichkeit der Albaner beeindruckt. Als wir wegen des Autos am Staßenrand angehalten hatten, wurden wir direkt vom Fahrer des nächsten Autos gefragt, ob alles in Ordnung sei und ob er uns irgendwie helfen kann.

Wir hätten gerne noch ein paar mehr Stunden in den Bergen verbracht, jedoch hatten wir weder Geld noch Essen dabei. Schäfer teilten uns mit, dass der nächste Geldautomat in Koplik ist. Plant man also in den Bergen zu bleiben (was auch unser Plan bei gutem Wetter gewesen wäre) sollte man sich unter Umständen vorher um Bargeld kümmern oder mit vollem Kühlschrank und Tank einreisen. Mit der Visa-Karte kommt man in den meisten Teilen Albaniens nicht weit…

Shkodra

Wir entschieden uns noch am gleichen Tag in die nächst größere Stadt zu fahren, um eine gute Werkstatt zu finden. Shkodra ist das Kulturzentrum Albaniens und liegt am Skutarisee. Unser Aufenthalt in der Stadt fiel wieder einmal relativ kurz aus und wir sind uns sicher, dass wir den vielen Sachen die es zu entdecken gibt nicht gerecht geworden sind.

Auf der Suche nach Essen fanden wir ein riesiges “Touri”-Lokal. Normalerweise kein Laden der uns anspricht aber da das Restaurant sehr gut besucht war, entschieden wir uns zu bleiben und können den Ort nur weiterempfehlen.

Unseren Schlafplatz haben wir auf dem Campingplatz Legjenda am Stadtrand gefunden. Der Platz ist wie ein großes Festival angelegt und ist echt schön gestaltet. Auch das nebenan liegende Restaurant ist wie der Garten bei Mutti zuhause.

Vom Campingplatz aus lässt sich die Burg Rozafa sehr gut erreichen. Der Besuch lohnt sich! Eintritt sind nur wenige Euros und im Gegensatz zu anderen Burgen die man vielleicht aus Deutschland kennt, ist diese noch sehr ursprünglich gehalten.

Tirana

Am nächsten morgen ging es für uns weiter in Richtung Tirana mit einem kurzen Abstecher in das Mat-Delta. In Nordalbanien wären wir auch gerne gewandert, allerdings war das Wetter immer noch schlecht.

Wir finden ein sehr armes Albanien im Norden. Häufig passiert es, dass auf der Route für uns nicht passierbare Straßen liegen. Daneben gibt es Straßen die in keinen Karten dokumentiert sind oder Straßen auf denen ein neues Haus im Weg steht. Auf der Hälfte der Strecke nach Tirana biegen wir in ein ärmliches Fischergebiet im Mat-Delta.

Wie hier im Wasser befinden sich überall im Land Bunker. Es existieren, nach verschiedenen Schätzungen, ca. 200.000 Stück, die über das gesamte Land verteilt sind. Sie sind meist für 1-4 Personen ausgelegt und wurden nie benuzt.

Neben Bunkern fällt uns die Liebe der Albaner für ihre Autos auf. In keinem Land gibt es so viele Waschsalons für Autos und am liebsten fährt man hier einen Mercedes. Kurz bevor wir Tirana erreichen, sehen wir eine große Menschenmenge an der Straße und halten an. Einige hundert Männer sind auf dem Gelände einer Tankstelle im Kreis versammelt und nacheinander fahren Autos in den “Ring” und zeigen wie gut sie driften können. Ein gefährliches Spiel, dass eine Auto begann sogar zu brennen und es scheint nicht unwahrscheinlich, dass ein Auto aus versehen in die Menschenmenge fahren könnte. Die Stimmung ist ausgelassen und je mehr es raucht, desto mehr Applaus gibt es. Nach einer Zwangspause von fast zwei Stunden, da wir zugeparkt auf einem Acker standen, sowie einer Espresso-Einladung von einem Albaner vom Nachbartisch (War er das vielleicht?) können wir in der Dämmerung weiterfahren.

In Tirana angekommen finden wir einen Schlafplatz auf einem bezahlten Parkplatz direkt in der Stadt. Das erste mal schlafen wir im Auto in einer Großstadt. Nebenan ist auch noch eine Gastankstelle, was perfekt klingt um unsere ziemlich leere Gasflasche wieder aufzufüllen. Also nichts wie hin mit der leeren Flasche. Mit Händen und Füßen macht Hannes dem Tankwart klar, dass wir Gas in der Flasche brauchen. Nachdem unter unseren Adaptern auch noch ein passender dabei war und es auch halbwegs das gleiche Gas an der Tankstelle zu geben scheint, steht dem Auffüllen der Gasflasche eigentlich nichts entgegen. Das einzige, was uns verunsichert ist die Frage, wieviel Gas wir denn haben wollen. Müsste das nicht eigentlich der Tankwart besser wissen? Nachdem er die Gasflasche von allen Seiten betrachtet hatte, befindet er, dass 10 Liter die richtige Menge sei. Er stellt an der Zapfsäule 10 Liter ein und startet den Befüllvorgang. Noch bevor 10 Liter erreicht sind, stoppt die Zapfanlage mit einem Klacken und lauten Zischen. Die Flasche scheint voll zu sein. Wir sind froh wieder Gas zu haben, bezahlen und machen uns wieder auf zum Parkplatz. Dort angekommen, haben wir ein mulmiges Gefühl. Die Flasche ist schwerer als sonst und war da nicht was gefährliches mit dem Überfüllen von Gasflaschen? Kurze Recherche sagt: es ist verdammt gefährlich. Der Überdruck der in der überfüllten Flasche bei Erwärmung ist ziemlich hoch und bei deutschen Flaschen mit Sicherheitsventil wird der Überdruck abgelassen. Bei Flaschen ohne ein solches Ventil fliegt einem diese halt einfach um die Ohren. Der Tankwart wusste von all dem nichts und meinte, wir seien in Albanien, wir sollen nicht so ängstlich sein. Nachdem wir dann eine gefühlt ausreichende Menge an Gas auf dem Parkplatz abgelassen hatten, konnten wir endlich in die Stadt aufbrechen. (Sorry Umwelt!)

Vom Campingplatzwart in Shkodra wurden uns verschiedene Bars im angesagten Viertel Blloku empfohlen. Diese Empfehlung geben wir gerne auch als guten Ausgangspunkt für die Stadt weiter. Es gibt auch viele gute Hostels in der Ecke.

In Tirana lohnt es sich albanisch essen zu gehen. Besonders gut ist das Restaurant Elba um die traditionelle Küche kennenzulernen. Zudem kann man sich ziemlich gut von einem Café ins nächste schleppen und überall guten Espresso trinken. Hier ein paar Eindrücke aus der Stadt…

Besonders gläubig schienen uns in Albanien die wenigsten Menschen zu sein.

Die Pyramide ist ein ehemaliges Museum und wurde von den Kindern von Hoxha gebaut. Lässt sich zudem auch sehr gut besteigen um etwas Ausblick zu haben.

Besonders schön ist Tirana nicht, aber dennoch kann man gut einen Tag in der Stadt verbringen und die vielen schönen Cafés und Bars unsicher machen. Die Albaner haben definitiv ein Händchen für die Einrichtung…

Nicht verpassen sollte man auch das Bunk’Art Museum…

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